60 Jahre kulturelle & politische Tradition
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Rückblick & Ausblick

Der Heiligenhof

Die Geschichte des Heiligenhofs
Eine Bildungs- und Begegnungsstätte im Wandel der Zeiten

Die Bildungs- und Begegnungsstätte DER HEILIGENHOF in Bad Kissingen steht seit rund 60 Jahren für kulturelle und politische Tradition, Gastfreundschaft und Toleranz. Träger des Heiligenhofs ist die Stiftung Sudetendeutsches Sozial- und Bildungswerk.

Aus bescheidenen Anfängen heraus hat sich der Heiligenhof zu einer Stätte internationaler Tagungen, kultureller Begegnungen und Freizeitveranstaltungen für Gäste aus der Bundesrepublik Deutschland und ganz Europa entwickelt. Seminare zur politischen Bildung, grenzüberschreitende Programme für Schüler- und Studentenaustausch vorwiegend mit den Ländern Mittel- und Osteuropas, Kinder- und Seniorenfreizeiten sowie Schullandheimaufenthalte bilden nur einen Teil des weiten Spektrums an Veranstaltungen, die in unserem Hause stattfinden.

Der Heiligenhof wurde im Jahre 1923 ursprünglich als Landhaus erbaut. Das Sudetendeutsche Sozialwerk wurde 1952 gegründet, um den mittellosen Menschen nach Flucht und Vertreibung in einer neuen Umgebung Chancen der beruflichen Weiterbildung und zur Sicherung der eigenen, materiellen Existenz zu eröffnen.

Mit Unterstützung der Norwegischen Europahilfe konnte am 20. März 1952 das Haus Garitz Nr.
150 samt 3,26 ha Grund und ein Pumpenhaus vom Ehepaar F.A. Breuhaus de Groot gekauft werden. Wenige Tage später, am 1. April 1952, wurde das Haus als "Sudetendeutsche Heimstätte der europäischen Jugend" vom Sozialwerk übernommen.

Wer den Heiligenhof erst heute kennenlernt, wird sich kaum vorstellen können, wie er ursprünglich ausgesehen hat. Von 1952 bis heute spannt sich ein weiter Bogen von bald  sechs Jahrzehnten, ausgefüllt mit immer neuen Planungen und Baumaßnahmen.

An der Schwelle zum neuen Jahrtausend konnte das bisher größte Vorhaben in der Geschichte des Heiligenhofs verwirklicht werden. Mit dem kompletten Neubau eines Tagungs- und Bettenhauses, dem Projekt "Heiligenhof 2000", wurde das Haus mit dem Komfort ausgestattet, den Gäste von einer modernen Bildungsstätte erwarten.


 

 

 

 

Bildungsarbeit
Den Anfang der Arbeit auf dem Heiligenhof bildeten in den 50er Jahren Jugendleiterlehrgänge der deutschen Vertriebenen aus dem Sudetenland, den ehemaligen deutschen Ostprovinzen und den Siedlungsgebieten der Deutschen in Südosteuropa. Durch umfangreiche, bauliche Veränderungen konnten ab 1960 auch Erwachsenen-Bildungswochen auf dem Heiligenhof durchgeführt werden. Seit dieser Zeit rückte die staatspolitische Bildungsarbeit immer mehr in den Vordergrund der Veranstaltungen.

Immer mehr wurde der Heiligenhof auch zu einer internationalen Tagungsstätte. Deutsche aus dem dänischen Nordschleswig, Bretonen aus Frankreich und aus Karelien vertriebene Finnen. Sogar aus Texas und Paraguay reisten Gäste zum Heiligenhof. Nicht zuletzt fanden schon 1953 im Exil lebende Tschechen und Slowaken Verständnis und Aufnahme in diesem Hause.

Nach der Wende 1989/90 trug der Heiligenhof wesentlich zum Aufbau sudetendeutscher Organisationen in den neuen Bundesländern bei, deren Mitarbeiter seither auf ihre praktische Arbeit vor Ort und in ihren Verbänden vorbereitet werden.

In allen Entwicklungsstadien war die Bildungsarbeit auf dem Heiligenhof immer gesamtdeutsch ausgerichtet. Die "innere Einheit" der Deutschen bleibt Aufgabe der kommenden Generation, zu welcher der Heiligenhof auch zukünftig engagiert beitragen wird.

Für die Sudetendeutschen besitzt der Heiligenhof eine ganz besondere Bedeutung. Sie erleben hier ein Stück heimatliche Atmosphäre, ein Gefühl der Geborgenheit und die Möglichkeit, ihr kulturelles Erbe in Seminaren für Volkstanz und -musik, Brauchtum und Mundarten zu erhalten und weiterzuentwickeln.

Tausende Sudetendeutsche aus allen Teilen Deutschlands, jüngere und ältere, haben in den zurückliegenden fast sechs Jahrzehnten Tage und Wochen der Erholung, vor allem aber auch der Information und Weiterbildung auf dem Heiligenhof verbracht. Sie haben vor allem Gemeinschaft erlebt.


Europäische Integration Mittelosteuropas

Die Erweiterung der Europäischen Union eröffnet ungeahnte Perspektiven und Potentiale in wirtschaftlicher, kultureller und sicherheitspolitischer Hinsicht. Der Heiligenhof sieht sich als Vorreiter einer weitergehenden europäischen Integration.

Schon heute schlägt sich diese Entwicklung in der grenzüberschreitenden Bildungsarbeit nieder: Mehr und mehr wird der Heiligenhof zu einem mitteleuropäischen Forum der Begegnung und des Austausches von Deutschen und Tschechen, Polen und Slowaken, Slowenen und Ungarn.

Es bestehen Kontakte zur Westböhmischen Universität in Pilsen, zum Europäischen Comenium in Eger, zur Universität in Mährisch-Ostrau, zur Universität Reichenberg, zur Karlsuniversität in Prag, zum Thomas-Mann-Gymnasium in Prag, zur Universität Troppau, zum Verband der Karpatendeutschen in Preßburg/ Slowakei und zum Nikolaus-Lenau-Gymnasium in Temeschburg/ Rumänien.


Zusammenarbeit mit den deutschen Minderheiten
Der Fall des eisernen Vorhangs und die beginnende Demokratisierung in den ostmitteleuropäischen Ländern bot auch den dort lebenden deutschen Minderheiten neue Möglichkeiten, sich zu organisieren und sich für die Erhaltung ihrer kulturellen Identität einzusetzen. Der Heiligenhof sieht sich als natürlicher Partner für die deutschen Volksgruppen in Mittel-, Ost-, und Südosteuropa.

Seit 1992 erfolgt eine enge Zusammenarbeit mit der Landesversammlung der Deutschen in Böhmen, Mähren und Schlesien, die sich in zahlreichen gemeinsamen Seminarprojekten und Jugendaustauschprogrammen niederschlägt, aber auch in humanitären Hilfsaktionen.

Zusammen mit der Grenzlandbildungsstätte Burg Hohenberg an der Eger, der zweiten Bildungseinrichtung des Sudetendeutschen Sozial- und Bildungswerks, hat der Heiligenhof seit 1990 etwa 500 grenzüberschreitende Projekte durchgeführt. Im einzelnen waren dies unter anderem:

 

  • Internationale Hochschulwochen
  • Deutsch-tschechische Geschichtswerkstätten
  • kulturelle Begegnungen für Kinder und Jugendliche aus Deutschland und der Tschechischen Republik
  • Seminarwochen zur sudetendeutsch- tschechischen Verständigung
  • Gesprächsforen mit tschechischen, polnischen, slowakischen und deutschen Studenten
  • Fortbildungen für Pädagogen aus Polen und der Tschechischen Republik
  • deutsch-tschechische Schülerwochen
  • Familien- und Seniorenbegegnungen
  • Lehrgänge für Angehörige der deutschen Minderheiten in Ostmitteleuropa
  • internationale Fachtagungen zu mitteleuropäischen Fragen
  • Seminarveranstaltungen zu europäischen Volksgruppen- und Minderheitenfragen

Diese Veranstaltungen werden von folgenden Institutionen finanziell gefördert:

  • Bundeszentrale für politische Bildung
  • Bundesministerium des Innern
  • Haus des deutschen Ostens, München
  • Sudetendeutsche Stiftung, München
  • Institut für Auslandsbeziehungen, Stuttgart
  • Robert-Bosch-Stiftung, Stuttgart
  • Stadt Bad Kissingen
  • Renovabis
  • Deutsch-Tschechischer Zukunftsfonds
  • Sudetendeutsches Sozial- und Bildungswerk e. V.
  • Deutsch-Polnisches Jugendwerk, Potsdam
  • TANDEM, Regensburg
  • u.a.


Volksgruppen- und Minderheiten

Einen weiteren Schwerpunkt der Arbeit des Heiligenhofs stellen Fragen des Volksgruppenrechts und Minderheitenprobleme dar, so z. B. die Frage, wie das Verhältnis von ethnischen Minoritäten und Majoritäten in einem Staat für alle Gruppen zufriedenstellend geregelt werden kann.

Nicht von ungefähr wurde deshalb schon 1977 der Arbeitskreis für Volksgruppen- und Minderheitenfragen auf dem Heiligenhof gegründet. Der Arbeitskreis steht allen Interessierten offen und hat in der Vergangenheit immer wieder Denkanstöße zur Lösung ethnischer Konflikte in Europa gegeben, zuletzt durch Aufrufe und Memoranden im Zusammenhang mit den ungelösten ethnischen Konflikten im ehemaligen Jugoslawien, um die internationale Staatengemeinschaft wachzurütteln und zu einem energischeren Vorgehen zu bewegen.

Blick in die Zukunft
Der Heiligenhof wird auch weiterhin dem Neuen aufgeschlossen bleiben und in seiner inhaltlichen Konzeption die Fragen aufgreifen, die zukünftig im Mittelpunkt des Interesses stehen. Dabei werden die Probleme und Perspektiven des mitteleuropäischen Raumes immer eine besondere Beachtung finden.

Informationen zum Sudetendeutschen Sozial- und Bildungswerk e.V. erhalten Sie in unserer
Rubrik SSBW e.V.


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